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DAS 4/300 IM PRAXISEINSATZ

o.k. jetzt ist es soweit. Ich hatte zwischenzeitlich die Gelegenheit das 4/300er zu testen und bin nun in der Lage einen ersten Bericht zu liefern. Mein Fotokollege Bertram Lütke (GDT) war so nett und hat mit mir ein paar Tests gemacht im direkten Vergleich zu seiner Telefonfiguration. Er nutzt eine Canon 1DMk4 mit dem neuen EF 600/4 L IS II USM mit/ohne EF 1.4x III auf einem starken Gitzostativ mit Burzynski/Sachtler FSB6 Fluidkopf/Auflagekombination. Also ein sehr professionelles Geschirr mit ca. 11kg Gewicht und einem Wert von ca. 18KEUR. Harte Konkurrenz, aber ich wollte es wissen.

UNFAIRER VERGLEICH ?

Hält die Olympus M1 mit dem 300/4 PRO, dem MC1.4 Konverter mit einem Gewicht von ca. 2,5kg und einem Wert von ca. 3.7KEUR dagegen an?


Der Grössen/Gewichts-Unterschied ist gewaltig. Neben dem Canon 600er sieht meine Kamera wie Spielzeug aus...

Also, ich fange mal mit dem interessanten Teil an. Man sieht einen Unterschied! Aufatmen für jeden Canon/Nikon-Fotograf, der gute fünfstellige Beträge und Rückenschmerzen in Kauf nimmt um Tiere zu fotografieren. Aber eins nach dem Anderen. Wir waren einige Male in der Wagbachniederung bei den Purpur-Reihern, die dieses mal sehr fotogen brüten. Ihre Nester sind auf Bulten ca. 3-5 Meter vor dem Schilfrand im Wasser und etwa geschätzte 20-40m von uns entfernt. Man braucht also mindestens 800mm Brennweite um gute Bilder machen zu können. Ich hatte auch mein Stativ dabei, nutzte es aber kaum. So zum ersten Direktvergleich:

Bertram hat bei der 1DMk4 einen APS-H Sensor mit Cropfaktor von 1,3. Somit liefert er 16MPix an KB-Equivalent von 1092mm. Ich habe die M1 mit mFT und Cropfaktor von 2,0. Somit liefere ich 16MPix an KB-Equivalent von 840mm. Mein Kollege hat also ca. 250mm mehr Brennweite, was beim Vergleich berücksichtigt sein muss. Aber so ging es ja nun um die Reiher. Hier das Ergebnis:


Direkt aus der Kamera unbearbeitete RAW (neutral) im Vergleich. Skalierungsangleich, weil Bertram 30% mehr Auflösung hatte. Aufgenommen mit Offenblende (f5,6 dank Konverter)

Ich hab bei dem Olympusbild die Belichtung um eine Blende reduziert, da Bertram tendenziell dunkler belichtet.
Canon: 1/4000s f5,6 ISO 400 vom Stativ
Olympus: 1/1250s f5,6 ISO 200 aus der Hand

Canon liefert bei diesem Anwendungs-Realvergleich sichtbare Vorteile. Die Bilder machen einen etwas kontrastreicheren Eindruck und Tiere werden besser vom Hintergrund freigestellt wegen der geringeren Tiefenschärfe. Somit geht in diesem Vergleich der Punkt an Canon. Ich fragte mich, ob es mir wert ist wegen diesem Vorteil bei dieser speziellen Situation das 4fache Gewicht und den 4fachen Preis zu zahlen... möge jeder für sich selbst entscheiden.

WENN TIEFENSCHÄRFE NICHT ALLES IST

Beim gemeinsamen Fotografieren machte wir noch einige andere Tests. So bei einer Rohrweihe, die immer mal wieder in der Nähe vorbeigeflogen ist. Hier spielte nun der Hintergrund keine Rolle, sondern mehr die Schnelligkeit und Leistung des Autofokus, sowie der Kontrast im Gefieder.


Canon mit 1DMk4, 600/4 L IS II, 1.4x III - unbearbeitetes RAW


Olympus OMD-E-M1, 300/4 PRO, 1.4x - unbearbeitetes RAW

Hier zeigt sich praktisch kein Unterschied in den o.g. Aspekten. Ich hab einen 1:1 CROP ebenfalls im Vergleich:

Es ist zu betonen, dass diese Bilder nicht durch irgendeine Bildverarbeitung gelaufen sind. Normalerweise legt jeder Fotograf nochmal deutlich Hand an bei den RAWs und liefert dann seine geschärften und ausgewogenen Bilder.

DER DIREKTE BRENNWEITENVERGLEICH

Bei einem weiteren Treffen machten wir einen Direktvergleich auf technischer Ebene, also er ohne Konverter und ich mit Konverter, damit sein Crop ausgeglichen ist und wir mit der gleichen effektiven Brennweite arbeiteten. Zudem haben wir beide mit ISO 800 fotografiert. Wir haben uns ein Motiv gesucht, das ebenfalls typisch für diese Anwendung ist und Enten aus einer Distanz von ca. 6m fotografiert. Ich freihand, er wieder vom Stativ.

Für mich ist hier kein Unterschied mehr sichtbar. Im Gegenteil, beim 100% CROP merkte ich, dass die chromatische Aberration beim Canon sichtbar wird. Und das Olympus-Objektiv zeigt keinerlei Farbfehler trotz Konverter.... Das schockierte mich dann doch nochmal.

Hier wird es schon Dünn, wenn nicht sogar ausgeglichen mit dem Ergebnis zwischen 11Kg Monster und dem 2,5Kg Spielzeug. Also zumindest für mich.

DIE BEWEGUNGSFREIHEIT

Beim Fotografieren ist mir aber noch was Anderes aufgefallen. Wir hatten immer mal wieder die Situation, dass Nutrias, Haubentaucher, Gänse und Co. auftauchten und wir von Zeit zu Zeit auch diese versuchten im guten Abendlicht zu fotografieren. Speziell, wenn es darum ging nahe an die Wasseroberfläche zu gehen oder schnell die Position zu wechseln hatte ich natürlich mit meinem "Spielzeug" und der Möglichkeit alles aus der Hand zu fotografieren entscheidende Vorteile. Ich konnte mit der Kamera ganz an den Boden mit Lifeview oder durch schnelle Positionswechsel punkten. Hier kommt der Vorteil dieses Ansatzes voll zu Geltung.


1/2500s f5,6 ISO 800 KB-840mm freihand


1/1000s f5,6 ISO 800 KB-840mm freihand


1/1000s f5,6 ISO 800 KB-840mm freihand mit Lifeview nahe der Wasseroberfläche


1/400s f5,6 ISO 200 KB-840mm freihand mit Lifeview am Boden

FAZIT

Für mich waren die Tests mit Bertram sehr aufschlussreich. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an ihn für seine Unterstützung und die Bilder, die er zur Verfügung stellte. Meine Entscheidung ist nun sehr klar bestätigt. Ich bin mit meiner Entscheidung auf den richtigen Weg gegangen. Das 4/300 liefert bis auf wenige Ausnahmen mit speziellen Situationen wie bei den Purpur-Reihern vor dem Schilf ganze Arbeit und gibt mir ungemein mehr Freiheit. Zudem bestätigte sich erneut, dass die Abbildungsleistung der Olympus m.ZUIKO PRO Objektive exorbitant gut ist. Keine Farbfehler und brillante Bilder. (ich verweise hier auf meinen Objektivbeitrag). Der Bildstabilisator mit dem Wegfall des Spiegelschlages zeigt seine Überlegenheit und ich verzichte zunehmend aufs Stativ bei der Tierfotografie. Mit 2,5Kg kann man durchaus auch stundenlang ohne Ermüdungserscheinungen draufhalten und bleibt sehr flexibel.

Die Freiheit mit 2,5Kg statt über 11Kg und den Verzicht auf ein Stativ in den meisten Fällen gibt mir soviel mehr Möglichkeiten, dass ich den leichten Unterschied in Kauf nehme. Ich hab mir ein Zweitgehäuse der M1 besorgt und hänge mir die Kamera mit Objektiv schussbereit an den Rucksack-Tragegurt, besser geht es nicht.

Der gewaltige Unterschied in der Investitionssumme ist ebenfalls ein Argument. Die Versicherung wird günstiger und ich kann das Objektiv in den Rucksack packen und muss das Ganze nicht im Auto lassen, das dann womöglich ausgeräumt wird. (Ein prominenter Kollege kann davon aktuell ein Jammerlied singen...)

Das Einzige ist der Autofokus, der mir nach wie vor noch ein wenig gewöhnungsbedürftig reagiert. Aber dazu berichte ich ausführlich ein anderes Mal. Bei den Tests mit Bertram war meine Ausschussquote noch recht hoch, weil der Autofokus sehr gerne den Hintergrund bevorzugt. Man kann damit arbeiten, aber da braucht es noch ein Wenig mehr Übung.

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