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E-M1X Naturfoto-Praxistest - Teil2

Die OM-D E-M1X in der Naturfotografie Teil II

(OM-D E-M1X + 300mm F4; 1/2000 sec. f/8; ISO 200)

Hallo miteinander,

die Zeit rennt. Nachdem ich zum Jahreswechsel die M1X ausgiebig getestet habe. (Siehe Teil1) trat für mich zwangsläufig eine längere Fotopause ein, denn ich habe meinen Lebensmittelpunkt vom Bodensee nach Brandenburg an den Rand von Berlin verlegt. Das Ganze hat dann doch deutlich mehr Aufmerksamkeit gekostet, als ich das vor hatte. Auch ich machte die Erfahrung, wie jeder Häuslebauer, dass alles dann doch mehr Zeit und Geld in Anspruch nimmt als gedacht. Nun ja, wir sind angekommen, die Häuser stehen und ich kann mich allmählich wieder der Fotografie intensiver widmen.

Asche auf mein Haupt

Also erstmal an alle, die auf meinen angekündigten 2. Teil zum AF gewartet haben die Bitte um Entschuldigung. Als ich im Frühjahr die vielen Berichte über den AF, welche Wunder er verbringt und auch, was für ein Mist er sein soll dachte ich mir ehrlich, dass meine Meinung zu diesem Thema nicht mehr viel Neues bringen wird.

Ich berichte nicht nach Hörensagen, sondern ausschliesslich meine eigene Erfahrungen. Und da fehlt mir einfach noch Einiges an fundierten Tests. Jetzt kam auch noch der 2x Konverter auf den Markt. Also hab ich mich für eine neue Strategie entschieden. Ich berichte hier einige erste Erfahrungen zum AF, werde aber im Oktober einen dritten Teil liefern, denn ich bin Ende September auf eine ausgiebige Tour in den Sarek-Nationalpark nördlich des Polarkreises unterwegs und werde unter harten Realbedingungen die Teleobjektive mit Konverter im Bezug auf die AF-Leistung und andere Aspekte testen und berichten.

Autofokus: Fünf Aspekte, die zählen

So, nun zu meiner ersten AF-Erfahrung. Kurz und bündig. Der passt und ist gegenüber der M1 MkII deutlich verbessert. Wen wunderts. Und ebenfalls kurz und bündig: Mir reicht der AF für alle meine Anwendungen in der Naturfotografie sowas von aus, dass ich eigentlich nicht viel tiefer gehen muss. Das war schon bei der M1 MkII so.

Warum komme ich zu der Aussage? Nun, in der Naturfotografie, besonders in der Tele-Vogelfotografie gibt es aus meiner Sicht 5 Aspekte, die der AF erfüllen muss.

  1. Der AF sollte möglichst flexibel über einen grossen Teil des Sensors funktionieren
  2. Er sollte bei wenig Licht noch zuverlässig arbeiten
  3. Er sollte sehr schnell das Objekt erfassen können
  4. Bei Bewegtaufnahmen sollte er sich von unruhigem (kontrastreichem) Hintergrund und Vordergrund nicht aus dem Tritt bringen lassen und
  5. er sollte bei C-AF den Fokus zuverlässig halten.

Meine ersten Versuche machte ich noch in meiner „alten“ Heimat am Bodensee. Dabei konzentrierten sich meine Tests auf Aspekt 3, 4 und 5. Aspekt 1 ist von Olympus seit der M1 MkII vorbildlich gelöst mit den 121 AF-Kreuz-Sensoren, die über den grössten Teil der Sensorfläche bestens funktionieren. An diesem Ansatz hat sich nichts geändert.

Überrascht

Aspekt 3, die schnelle Erfassung von Objekten überraschte mich, denn die hat echt zugelegt. Ich sass bei Sonnenaufgang am See und wartete auf Enten als ein schriller Pfiff meine Aufmerksamkeit erregte. Ein Eisvogel, manche sagen auch fliegendes Juwel, flog immer mal wieder an mir vorbei am Ufer entlang. Ich hatte das 300er mit MC14 (= 840mm KB) an der Kamera. Wer Eisvögel schon mal im Flug beobachtet hat, weiss, dass sie klein und schnell sind und es schwierig ist, sie zu verfolgen. Und mit einem Bildausschnitt von >800mm KB ist es fast unmöglich, bzw. erfordert viel Übung, das Tier in den Sucher zu bekommen. Ich dachte mir, das ist ein gutes, „reales“ Testszenario. So versuchte ich immer wieder den Vogel ins Bildfeld zu bekommen und da ich aus der Hand fotografiere seit der M1 MkII, muss das „aus der Hüfte“ gelingen. Mit dem 300er fotografiere ich meistens mit folgender Einstellung: C-AF, elektr. Auslöser, S-IS2 (vertikale Stabilisierung), wenn ich mitziehen muss und Modus S (Zeitvorwahl) mit 1/2000s. Da es um schnelle Erfassung eines Objektes, das kaum grösser als 2-3 Fokusfelder irgendwo im Bildfeld ging, stellte ich alle Fokusfelder aktiv. ISO auf 1000 oder 1250, damit die Blende 5.6 - 8 erreicht wird. Teilweise war bereits beim ersten Bild der Fokus auf dem Vogel, min. beim zweiten Bild und in der Verfolgung waren viele Bilder einer Serie scharf, bis der Fokus den Vogel verloren hat. Und das bei wenig Licht. Ich bin begeistert.

 

(OM-D E-M1X + 300mm F4 + MC14; 1/2000 sec. f/6.3; ISO 1000)

(OM-D E-M1X + 300mm F4 + MC14; 1/2000 sec. f/5.6; ISO 800)

Ich hatte mehrmals die Möglichkeit anzusetzen und eine Sequenz auszulösen im Mitziehen mit immer 6-8 Bildern, bis der Vogel vorbei war. Ich fotografiere hier in Lautlos L mit 15 Bildern pro Sekunde, was bedeutet, dass der Moment max. 1-2 Sekunden umfasst. Bei den meisten Sequenzen hatte der Fokus bereits beim ersten Bild den Schärfepunkt.

Wie gut hält sie den Fokus?

Die Wasseroberfläche ist relativ ruhig, sodass weitere Tests gegen einen unruhigen Hintergrund sinnvoll sind. Hierzu eignen sich die anfliegenden Enten und Möwen besser. Ich testete vor allem Aspekt 4 und 5 bei entgegenkommenden Tieren und im Vorbeiflug (Mitziehen) vor unruhigem Hintergrund. Beides die typischen Aufnahmesituationen, die meiner Ansicht nach sehr gut gelingen. Natürlich „verhaspelt“ sich der AF ab und zu, speziell dann, wenn zu wenig Fokusfelder aktiviert sind und man „aus dem Fokus fällt“, also dass der Vogel keines der aktivierten Felder abdeckt. Dann sucht sich die Kamera natürlich andere Objekte, meist im Hintergrund. Das ist aber normal und hat wenig mit der Leistung des Systems zu tun. Da der AF aber sehr schnell reagiert, kann man sehr schnell refokussieren. Das alles ist relativ und von der Erfahrung und dem Empfinden des Fotografen abhängig. Ich finde es immer sehr amüsant, wenn Pixel-Pieper die perfekte AF-Funktion erwarten bei unvorhersehbarem Verhalten der Objekte. Mein persönliches Urteil: Das System ist schnell und präzise, wie bei den Top-Kameras der Wettbewerber auch. Hier gibt es meiner Ansicht nach keinerlei Abstriche im Vergleich mit Kameras, die das 2-3-fache kosten. Aber den entscheidenden Vorteil, dass man nur 30-50% des Gewichts bewegen muss und fast gänzlich auf ein Stativ verzichten kann. 

(Schnatterenten im Anflug: OM-D E-M1X + 300mm F4; 1/2000 sec. f/4.5; ISO 500)

(Möwe im frontalen Anflug: OM-D E-M1X + 300mm F4; 1/2000 sec. f/5; ISO 200)

(Möwe im Vorbeiflug vor kontrastreichem Hintergrund: OM-D E-M1X + 300mm F4; 1/2000 sec. f/4.5; ISO 250)

Ich habe Tausende Bilder gemacht während meiner Tests im Frühjahr und die Ausbeute war konstant hoch im Bezug auf die Schärfe. Bei einer anderen Gelegenheit versuchte ich durch Geäst hindurch den Fokus zu halten. Auch das gelingt meist gut wie bei diesem Beispiel, bei dem der Milan in einem Baum verschwand beim Fotografieren.

(Rotmilan mit Geäst im Vordergrund: OM-D E-M1X + 300mm F4; 1/1600 sec. f/4; ISO 320)

Was viele nicht bedenken

Ein Satz noch zum Thema AF und Bildschärfe generell. Hier bekomme ich immer wieder die Anfrage, warum Bilder nicht scharf sind mit dem 300er bei Fotografen, die vorher mit VF unterwegs waren und gewohnte Einstellungen nutzen. Wir dürfen niemals vergessen, dass bei der Verfolgung von Tieren neben dem AF auch Stabilisator, Sensorgrösse und Pixeldichte eine Rolle spielt. Am besten, man schaltet den Stabilisator aus oder aktiviert nur die vertikale Achse (Modus 2), denn der Stabi arbeitet „gegen Bewegungen“ und nicht immer erkennt die intelligente Steuerung, dass man Freihand nachzieht. Das ist zumindest meine Erfahrung. Dann ist die alte Regel, dass die Belichtungszeit kürzer als 1/Brennweite sein sollte bei diesem System zu erweitern um den Crop-Faktor 2 (durch die halbe Sensordiagonale) und nochmal Faktor 2 durch die höhere Pixeldichte. (immerhin entspricht der Sensor in der M1X einem 84 MPix Sensor bei VF) Also gilt: Belichtungszeit < 1/(Brennweite x 4); was beim 300er bedeutet: <1/1200s und mit MC14 <1/1600s. Das ist der Grund, warum ich mit 1/2000s fotografiere in solchen Situationen. Durch den Wegfall des Spiegelschlages und mech. Verschlusses im eModus ist die Vibration in der Kamera eliminiert und die Bilder werden auch bei Belichtungsreihen konstant scharf.

Extremes

Selbst unter extremen Bedingungen und im Video-Modus, den ich sehr selten nutze, hat mich der AF überzeugt. Im Winter war ein Millionen-Schwarm von Bergfinken im Hegau über Wochen zu Gast. Der AF hat auch hier sauber seinen Dienst erwiesen.

(Bergfinken im Schwarm bei wenig Licht: OM-D E-M1X + 40-150mm F4 @97mm; 1/30 sec. f/3.5; ISO 200)

Soweit mal für heute.

Nach meiner Sarek-Tour werde ich weitere Erfahrungen, auch und besonders mit dem MC20 beschreiben. Bis dahin wünsche ich gut Licht und viel Spass mit der M1X, bei der mich der Freihand HR-Modus nach wie vor schlicht begeistert… (siehe Bericht Teil I)

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