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EXTREMEINSATZ

Unter verschärften Bedingungen

Definiere Extremeinsatz

O.k., fangen wir mal damit an. Viele meiner Naturfoto-KollegInnen sind es gewohnt mit ihren Profiausrüstungen, meist von Canon oder Nikon unter Bedingungen zu arbeiten, die dem Hobbyfotografen die Haare zu Berge stehen lassen, wenn er nur dran denkt. Eis, Schnee, Wind, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit, Wasser, Sand, Steinschlag und alles zusammen gemischt und manchmal ohne darauf vorbereitet zu sein. Und all das, wenn man auf einer Reise unter Zeitdruck steht, weil das perfekte Licht sehr flüchtig ist oder die Tiere nicht auf einen warten wollen.

In solchen Situationen sollte die Ausrüstung nicht Gegenstand der Sorge sein, sondern einfach nur Mittel zum Zweck. Sie muss funktionieren. Sie muss auch mal einen Schlag gegen den Felsen oder den Spritzer Salzwasser aushalten im Eifer des Gefechtes. Da trennt sich die Spreu vom Weizen und es wird klar, warum die Profigehäuse und Objektive so viel teurer sind, als die "normalen" Gehäuse und Linsen, die so im Handel sind.

Ich war 10 Jahre mit Canon unterwegs und zufrieden. Robust, stabil und zuverlässig. Alles gut.
Nach meinem Umstieg auf Olympus war ich da nicht so sicher, was mich erwartet. Kleiner, filigraner, zerbrechlicher und mit weniger Erfahrungen kommen sie daher, meint man. Die Marketing-Botschaften versprechen viel. Die Realität zeigt dann aber, wie es wirklich aussieht.

Und das ist nun Gegenstand meines Berichtes, denn zwischenzeitlich hab ich genug Erfahrungen gemacht, nachdem ich nun ca. 1,5 Jahre mit Olympus arbeite und seit Anfang 2017 das Flaggschiff, die OM-D E-M1 MkII auf mehreren Reisen und Touren dabei hatte unter teilweise sehr harten Bedingungen.

Anfang des Jahres berichtete ich über meine Tests in Nordschweden. Das lief ja schon ganz gut und ich war zufrieden. (Hier kann man das nachlesen). Einige kleinere Aktionen mit reichlich Regen, Schnee und Dreck waren in den Folgemonaten auch alle gut verlaufen.

(Foto: K.Steegmüller - Im Regen unterwegs)

Der finale Härtetest war aber dieses Jahr auf einer ausgedehnten Tour nach Spitzbergen, Nordost-Grönland und Island und meine Erfahrungen, die ich dabei machte. Hier musste alles funktionieren und am Schluss zählen die Bildergebnisse, denn eine zweite Chance auf solche Bilder ist unwahrscheinlich.

Als Standard-Ausrüstung war dabei:
1 x OM-D E-M1 MkII mit Griff + 4/300 PRO (für die Tiere)
1 x OM-D E-M1 MkII + 1.8/8 Fisheye + 2.8/7-14 + 2.8/12-40 + 2.8/40-150 + MC14 (für den Rest)
LEE + Cokin Filtersets etc.
Sirui T1205X + Novoflex CB2

Zusätzlich hatte ich das neue 4.0/12-100 PRO dabei. Das hatte ich bisher eher weniger im Blick. Die Offenblende von 4.0 war mir suspekt, zumal sie ja durch MFT wie BL8 wirkt bei der Tiefenschärfe. Auf der Reise hat sich aber dann rausgestellt, dass ich die meisten Landschaftsbilder damit machte. Der Brennweitenbereich von 24-200mm (Vollformat) ist genial und bei Landschaften ist BL8-16 (Vollformat) ja ohnehin am meisten verwenden.

Grosser Pluspunkt: Kaum Objektivwechsel bei Sturm, Schnee und Regen nötig.

Bei den Touren an Land mit Aussicht auf Moschusochsen oder Eisbären hatte ich beide Kameras griffbereit vor mir hängen, wenn es schnell gehen musste. Das 300er mit einem Karabiner am Schultergurt links und die andere Kamera an der TMC Clickplatte rechts. Mit aufgeklapptem Display wurden die Systeme im Schneeregen klatschnass und manchmal schlugen sie auch schon an die Felswand oder auf den Boden...

(Foto: M.Lohmann - Im Schneegestöber)

(Foto: P.Warncke - nasskalte Bedingungen)

(Foto: M.Pfahrer - Immer schussbereit wenn der Eisbär kommt ;-)

Egal, was ich damit trieb, das grösste Problem war die Filterscheiben oder Frontlinsen sauber zu halten, das war alles. Wasser macht überhaupt nichts und Schläge hatten auch keine Spuren hinterlassen bis auf einmal, als die Frontlinse des 40-150 mal direkt an den Fels kam. Kleiner Kratzer...

Auch das stundenlange draussen warten und komplett durchgekühlter Ausrüstung machte nichts aus. Und sogar Salzwasser-Spritzer bei den Zodiac Touren waren kein Thema.

(Foto: P.Warncke - Bei Wellengang spritzt es schonmal ins Boot)

Auf Island kam dann noch dazu, dass ich manches Mal mitten im schwefeligen Dampf stand. Das war eher für die Nase als für die Kamera ein Problem.

(Foto: M.Lohmann - Mitten im Schwefeligen Dampf, ich bin der Hintere im Bild)

Nach meiner Rückkehr und den ersten Runden der Bildauswahl, Bearbeitung und genauen Begutachtung kann ich sagen, dass der Härtetest bestanden ist und ich dem Hersteller ein weiteres Kompliment machen darf. Und das tue ich nicht, weil ich das als Olympus Visionary etwa tun muss, wie sich vielleicht mancher jetzt denkt. Natürlich freuen die sich über solche Berichte, aber wenn ich nicht wirklich überzeugt wäre, würde ich meine Meinung hier in der Öffentlichkeit nicht in dieser Wiese kundtun.

Ich betone aber, es ist meine Meinung, meine Erfahrung und meine subjektive Wahrnehmung. Ich empfehle jedem es selbst zu probieren. Mir selbst ist nach dieser Reise der letzte Rest Zweifel verschwunden und ich bin glücklich mit meinem System.

Robustheit ist für uns eine Selbstverständlichkeit und das bieten die Anderen Hersteller auch wie oben gesagt. Meine Aussage ist hier also nicht, dass Olympus besser ist in diesem Zusammenhang. Aber auf Augenhöhe und das ist wichtig.

Und die Bildqualität ist für mich völlig überzeugend.

(Moschusochsen-Schädel, Myggbugta - Nordost-Grönland; M1MkII + 4/12-100, 13mm, f8, 1/125s, ISO200, +1Korr.)

Jetzt kommt aber noch eine kleine Story oben drauf:

Am 8. September lagen wir mit dem Schiff in einer Bucht, es war windstill, Vollmond, sternenklar und ab ca. 23:00 Uhr begann ein Polarlicht-Feuerwerk der Extraklasse. O.k. Standardreaktion aller Fotografen: Stativ raus, Kamera auf 3.200 ISO o.Ä., 5-10s Belichtungszeit und dann die Feststellung, dass ein Schiff kein gutes Stativ ist. Es bewegt sich... Mist.

Nach einer Weile dachte ich, o.k. ich versuche es aus der Hand. Schliesslich hatte ich erst vor kurzem in einem Workshop darüber berichtet, dass mit dem neuen Stabilisator bis zu 1s Belichtungszeit aus der Hand geht... Verwunderung der KollegInnen um mich herum, was ich da mache als ich die Kamera in den Himmel hielt.

Seht selbst:

(Aurora Borealis, Rypefjord- Nordost-Grönland; M1MkII + 2.8/7-14, 7mm, f2.8, 1s, ISO4.000 Freihand!)

(Aurora Borealis, Rypefjord- Nordost-Grönland; M1MkII + 2.8/7-14, 7mm, f2.8, 1.3s, ISO3.200 Freihand!)

Ehrlich gesagt war ich selber ganz überrascht, denn daran hatte ich bisher nicht gedacht. Ein Grund mehr für mich, mit meiner Ausrüstung zufrieden zu sein.

Einen Reisebericht zu Spitzbergen, Grönland, Island und einen Vortrag dazu wird es bald geben. Ich werde es in Facebook ankündigen und die Bilder werden dann auch unter PROJEKTE, bzw. GALERIE zu finden sein.

In diesem Sinne.
Euer Andreas Geh

 

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