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Vogelfotografie mit der M1 Mark II

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Vogelfotografie mit der M1 Mark II

Bewaffnet mit zwei langersehnten Olympus OM-D E-M1 Mark II startete ich in das neue Jahr und wollte erst einmal ausgiebig die neuen Funktionen testen. Hierbei lag mein Fokus aber weniger auf dem Vergleich mit DSLR oder Pixelpeeping bzw. akribische Überprüfung der beworbenen Parameter, sondern es ging mir darum herauszufinden, ob die Kamera ganz praktisch für die Tier- und Vogelfotografie wirklich besser geeignet ist als ihre Vorgängerin. Hatte ich doch letztes Jahr in Spanien bei den Gänsegeiern gemerkt, dass Flugaufnahmen, vor allem mit unruhigem Hintergrund für den Kontrast-priorisierten Autofokus eine große Herausforderung darstellte und die Ausbeute entsprechend gering ausfiel.
Erste Tests bei den Wintergästen am Bodensee hatten aber bereits gehörig Eindruck hinterlassen. Da hat sich was getan.

Bild: Landende Höckerschwäne
OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO; 1/3200s, f/4.0, ISO 800

Also plante ich nach Schweden zu fliegen um am Polarkreis bei meinem Freund Conny Lundström mein Glück mit Steinadlern aus der Nähe zu suchen und anschließend in den Schweizer Alpen die Bartgeier im Flug zu fotografieren. Auch wollte ich bei tiefen Temperaturen das Verhalten der Kamera und der Akkus sehen. Als Vorabtest sozusagen für meine große Tour nach Grönland im September.

Das Wetter war zwar nicht ganz so kalt wie ich hoffte, hatte aber trotzdem tageweise -15°C und die Kameras mussten im Ansitz stundenlang eine Kältebrücke von fast 30°C Temperaturdifferenz von Frontlinse bis zum Body überstehen oder draußen im Einsatz weit unter dem Taupunkt arbeiten. Beide Situationen haben sie bestens überstanden. Ich habe keinerlei Einschränkungen festgestellt.

Bei einem kleinen Detail merkte ich, dass Olympus wirklich mitgedacht hat. Nicht nur, dass die Akkus nun wirklich gut sind von ihrer Kapazität und man mit 2-3 sehr gut über einen (kalten) auslöseintensiven Tag kommt, sondern auch die mitgelieferte Plastikbox, die eine Markierung hat und man den Akku sofort als leer oder voll identifiziert, je nachdem wie herum er in die Box kommt. Super! Hab ich in der Vergangenheit oft genug bei hektischem Akkuwechsel einen leeren erwischt und Zeit verloren.

Nun zu den Vogelthemen

Die Steinadler waren nicht sehr kooperativ dieses mal. Durch das wechselhafte und für diese Jahreszeit viel zu warme Wetter kamen sie nur unregelmäßig zum Fressen. In 5 Tagen Ansitz hatte ich nur einmal bei ungünstigem Licht die Chance, sie aus der Nähe zu sehen. Was sich hier aber sofort als große Qualität auszeichnete war die völlig lautlose Fotografie. Wer kennt das nicht, vor allem mit Anderen im Ansitz: Ein geeigneter Moment und - Ragadagadagadagadagadaga... Die Tiere sind deshalb dann doch meist nervös. Ich: ______________________ Stille. Und dann 80 Bilder mehr auf der Speicherkarte. Super! Ein großer Vorteil der Systemkameras.

Bild: Steinadler
OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 40-150mm 1:2.8 PRO + MC-14; 1/160s, f/4.0, ISO 3200

Während ich auf die Adler wartete spielte ich mit den ganzen Kleinvögeln, die vor der Ansitzhütte die Körner fraßen. Der Autofokus ist sehr schnell und macht selbst bei sehr kleinen Vögeln trotz kontrastreichem Hintergrund so gute Arbeit, wie ich das von DSLR Zeiten her kannte. Nur jetzt mit dem Vorteil, dass fast die ganze Sensorfläche nutzbar ist dank der 121 Kreuzsensoren. Gut für die Komposition.

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 40-150mm 1:2.8 PRO; 1/40s, f/2.8, ISO 2500

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO; 1/100s, f/4.0, ISO 4000

ProCapture

Mit einer Gruppe Gimpel, die ohnehin alle paar Minuten bei jeder geringsten Störung auffliegen und dann gleich wieder kommen, probierte ich stundenlang ProCapture aus. Meine Begeisterung für diese Möglichkeit nahm bei jedem Durchgang zu. Wer kennt nicht die zum Haare-raufen-Situationen in denen man zum hundertsten mal versucht z.B. einen Haubentaucher exakt im Abtauch-Moment zu erwischen, oder einen Vogel beim Abflug vom Ast oder Ähnliches. Mit ProCapture gelang mir mehrfach exakt den Moment zu erwischen, in dem die Vögel auffliegen. Da ich fast eine Sekunde vor Auslösung bis zu 14 Bilder habe, verpasse ich das nicht mehr und kann später am PC den besten Moment auswählen. So gelang mir sogar auch bei den Kolkraben (Jeder Vogelfotograf weiß, was es braucht diese Tiere zu erwischen) das ein oder andere gute Bild.

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 40-150mm 1:2.8 PRO; 1/1250s, f/4.0, ISO 3200 ProCapture

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO; 1/400s, f/4.0, ISO 1000 ProCapture

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO; 1/1000s, f/4.0, ISO 400 ProCapture

Autofokus im harten Test

Der verbesserte Sensor und die höhere Auflösung geben zusätzliche Freiräume gegenüber dem Vorgängermodell. Das passt soweit.

Nach meiner Rückkehr aus Schweden ging es gleich ins Wallis um auf dem Gemmigrad mit den KollegInnen der GDT Schweiz auf Bartgeier-„Jagd“ zu gehen. Die seltenen Geier kreisen immer wieder der Thermik wegen an diesem Grad entlang und man hat mit etwas Glück die Möglichkeit sie auf Augenhöhe abzulichten. Hier kommt es auf Schnelligkeit, Ausdauer und einen exakt sauber arbeitenden Autofokus an, denn die Geier sind mal vor Wald, Schnee, Fels oder freiem Himmel unterwegs und warten nicht auf dich.

Was mir hier schon mal zusagte war der Verzicht auf das Stativ. Man kann mit dem 300er längere Zeit ermüdungsfrei aus der Hand fotografieren und ist so deutlich flexibler als mit den großen Tüten auf einem schwerem Stativ. Ganz zu schweigen von der Schweißarbeit, den ganzen Krempel auf den Berg zu tragen.

Dann die Bewährung: Ein erster Geier kam und die Kameras ratterten ringsum. Ich machte innerhalb von 2h fast 1.500 Bilder. Der Continuous-AF Modus ist mit 18 Bildern/s echt fix. Da füllt sich die Speicherkarte schneller als gewohnt. Später am PC stellte ich dann fest, dass der AF auch überaus präzise und schnell arbeitet und sich nicht von wechselnden Hintergründen aus dem Tritt bringen lässt. Das war beim Vorgängermodell noch anders. Test bestanden.

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO + MC-14; 1/3200s, f/5.6 + 3/10 Korr, ISO 800

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO + MC-14; 1/500s, f/5.6 +13/10 Korr, ISO 800

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 40-150mm 1:2.8 PRO; 1/3200s, f/5.6 + 3/10 Korr, ISO 640

Auch die Alpendohlen, die uns ständig begleiteten, konnten sehr schnell und präzise fokussiert werden und da ich nicht vom Stativ arbeiten musste war ich hier sehr flexibel.

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO + MC-14; 1/1000s, f/5.6 + 3/10 Korr, ISO 800

OM-D E-M5 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 12-100mm 1:4.0 IS PRO; 1/1600s, f/4.5 + 3/10 Korr, ISO 200

Was mir dann auch positiv aufgefallen ist, dass beim Verfolgen der Tiere im Vorbeiflog mit Finger auf dem Auslöser trotzdem möglich war, die Vögel im elektr. Sucher zu sehen und zu halten. Die 60Hz Anzeigerate und die hohe Leistung der Verarbeitung reichen nun offensichtlich aus. Ebenso finde ich es sehr hilfreich Histogramm und die aktivierten Fokusfelder in Echtzeit zu sehen. Beim ersten Entdecken eines Geiers, ging das Anvisieren und Scharfstellen dank der großflächigen Verteilung der Sensoren sehr schnell und präzise, wenn z.B. ein Tier am Rand des Suchers erscheint.

OMD E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 300mm 1:4.0 IS PRO + MC-14; 1/1600s, f/5.6 +1 Korr, ISO 800

Universeller Einsatz

Nach der Auswertung am PC und einer enorm hohen Ausbeute an präzise scharfen Bildern war ich sehr zufrieden. Abends dann noch raus um mit Livecomposite ein Bisschen die Sterne zu fotografieren und schon wird klar, dass dieses System alle Facetten der Naturfotografie für mich bestens abdeckt.

OM-D E-M1 Mark II; M. ZUIKO DIGITAL ED 7-14mm 1:2.8 PRO; 30s Livecomposite ca. 10 Min., f/2.8, ISO 1600

Beim direkten Vergleich der Bilder mit den doppelt so schweren und dreimal so teuren Flaggschiffen der beiden DSLR Marktführer ist es sicherlich so, dass bei höheren ISO-Werten und Grenzauflösungen die Vorteile vom Vollformat-Sensor mit seiner 4-fachen Fläche sichtbar werden. Die Physik kann auch Olympus nicht überwinden...

Pixelpeeper finden da sicherlich genug Argumente gegen MFT. Alles hat seinen Preis.

Fazit

Für mich ist aber seit dieser Tour zweifelsfrei klar, dass ich mich mit dem Umstieg richtig entschieden hatte und mit gutem Gewissen und ohne Sorge nach Grönland oder sonstwo auf der Welt mit der OM-D E-M1 Mark II und den M.ZUIKO PRO-Objektiven unterwegs sein kann. Ob Action oder Entschleunigung, quirlige Vögel, Landschaften, Details oder ruhige Sternenbahnen, ich brauche mich nicht mehr mit den Begrenzungen der Technik beschäftigen, sondern kann mich voll und ganz den Motiven und meinen Bildideen widmen.

Bildqualität, Leistung und Gewicht passt für mich nun perfekt zusammen. Und das mit mehr Flexibilität als jemals zuvor.

Ich freue mich auf meine nächste Tour.

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